Presseinformation
Windkraft fördern, Vorurteile abbauen
Der BUND lud zu einem Praxis-Workshop bei der ovag Energie AG ein
Zwar begrüßt der BUND Hessen das Erstellen eines hessischen Energiekonzepts, durch die Landesregierung, fürchtet aber, dass zum einen die dort geäußerten Ziele mit dem vorgelegten Konzept nicht erreicht werden können und kritisiert auf der anderen Seite, dass die Ziele nicht ehrgeizig genug sind, um dem Klimaproblem zu begegnen. Insbesondere der mögliche Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung werde unterschätzt.
Diese Meinung äußerte Prof. Hans Ackermann, Sprecher des Arbeitskreises Energie im BUND, im Rahmen eines ganztägigen Praxis-Workshops zum Thema „Erneuerbare Energien in Hessen – Schwerpunkt Windkraft“ mit mehreren hochkarätigen Referenten. Als Austragungsort hatte die Organisation die Hauptverwaltung der OVAG in Friedberg ausgewählt. Ackermann bedankte sich für die gute Kooperation mit dem kommunalen Energieversorger. In seiner Begrüßung kritisierte OVAG Vorstand Rolf Gnadl eindeutig die Überlegungen zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und wertete diese als eine Behinderung beim nötigen Umstieg auf Erneuerbare Energien.
Vor allem müssten – um erwähnte Ziele zu erreichen - deutlich mehr Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen werden als bislang in den Regionalplänen vorgesehen, unterstrich auch Martin Krauß vom BUND. Mittelhessen etwa weise derzeit lediglich 0,48 Prozent der Landesfläche Hessens aus, mindestens das Doppelte sei notwendig, bestätigte auch das Referat von Joachim Wierlemann, hessischer Vertreter des Bundesverbandes Windenergie.
Dr. Horst Meixner, Geschäftsführer der hessenENERGIE, legte dar, dass das sogenannte „Repowering“ (gemeint ist das Ersetzen vorhandener kleinerer Windkraftwerke durch moderne Anlagen mit deutlich größerer Leistung) in den Plänen der Landesregierung überschätzt wird und somit die formulierten Ziele für den Anteil der Windkraft an der regenerativen Stromerzeugung in Hessen nur durch weitere, zusätzliche Standorte erreicht werden kann.
In einem weiteren Vortrag schilderte Dr. Ivo Gerhards vom Regierungspräsidium Gießen das systematische Vorgehen seiner Behörde bei der Ausweisung von Windvorrangflächen sowie das Bemühen um die Abwägung unterschiedlicher Restriktionen und Interessen. Strittig blieben einige Rahmenbedingungen, die derzeit noch Basis der behördlichen Bewertung sind. So werde insbesondere in der Regel noch mit Parametern gerechnet, die dem Fortschritt im Anlagenbau nicht Rechnung tragen – beispielsweise mit mittlerer Windgeschwindigkeit 50 Meter über dem Boden, während heutige Maschinen oft eine Nabenhöhe der Rotoren von bis zu 140 Metern haben.
Großen Wert legten alle Referenten auf die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger vor Ort sowie auf Informationsveranstaltungen dieser Art, welche dem Abbau von Vorurteilen gegen diese klimafreundliche Art der Stromerzeugung dienen sollen.
Dr. Hans-Peter Frank, Prokurist der ovag Energie AG, stellte die bisherigen außerordentlichen Aktivitäten des Gastgebers auf dem Feld der Nutzung erneuerbarer Energien dar. Unter anderem ist die ovag Energie AG mit ihrer Tochter hessenENERGIE, die rund 60 Megawatt installierter elektrischer Windkraftleistung betreut, einer der bedeutenden Windkraftakteure in Oberhessen. „Allein in diesem Jahr“, so Frank, „werden wir rund 20 Millionen Euro aufwenden, um den regionalen Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien weiter deutlich voranzubringen.“
Kritisch hinterfragte er die um sich greifende Fokussierung von einigen Gemeinden und Kreisen auf rein lokal ausgerichtete Ziele besonders hoher, teilweise einhundertprozentiger Versorgung mit Erneuerbaren Energien. „Das Energie- und Klimaproblem kennt keine geografischen Grenzen. Um eine Entwicklung zu minimalen Kosten zu erreichen, muss die Frage optimaler Standorte für die verschiedenen Technologien im Vordergrund stehen, nicht lokale Eitelkeiten“.

