Strombeschaffung und Strompreis: Die Kosten für den Stromeinkauf.

Während viele Stromanbieter schon zum 01.01.2022 oder im laufenden Jahr ihre Preise erhöhen mussten, konnten wir diese für 2022 – dank unserer langfristigen Einkaufsstrategie – stabil halten. Allerdings zwingt uns die Explosion der Energiepreise, die in den letzten Monaten stattgefunden hat, nun auch zur einer Strompreiserhöhung zum 01.01.2023.

Innerhalb des letzten Jahres hat sich der Großhandelspreis an der Strombörse vervierfacht. Im Sommer 2021 betrug der Großhandelspreis etwa 7 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und schon im Herbst 2021 war ein Anstieg zu verzeichnen. Durch den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Verknappung der Erdgaslieferungen aus Russland sind die Preise in 2022 dann auf ein Rekordniveau gestiegen. So lag der Strompreis im März 2022 bereits bei gut 15 Cent pro kWh und erreichte im August 2022 kurzzeitig einen Spitzenwert von fast 1 € pro kWh. Somit liegen unsere an der Strombörse erzielten netto Einkaufspreise ohne Netzentgelte, Steuern und Umlagen schon seit geraumer Zeit deutlich über unseren aktuellen Brutto-Strompreisen, die die genannten Zusatzpositionen bereits enthalten.

Besonders die Verknappung der Erdgaslieferungen und der stark gestiegene Erdgaspreis haben zu den hohen Strompreisen beigetragen. Dass sich Verteuerungen beim Erdgas auf den Strompreis auswirken, liegt vor allem auch an dem sogenannten Merit-Order-Prinzip. Das bedeutet, der Stromhandel orientiert sich an den jeweiligen sogenannten Grenzkosten der verschiedenen Stromerzeugungsanlagen. So sind die Grenzkosten aus regenerativer Energieerzeugung (zum Beispiel aus Sonne oder Wind) relativ niedrig, bei Kohle- und besonders bei Gaskraftwerken durch die teuren Rohstoffe höher. Der Marktpreis richtet sich nicht nach den günstigen Grenzkosten oder an einem Durchschnittswert. Entscheidend sind immer die Grenzkosten der teuersten Stromerzeugungsanlagen, die zur Deckung des gesamten Strombedarfs gerade noch benötigt werden. Da dies die Gaskraftwerke sind, wirken sich also die teuren Gaspreise auf den gesamten Strommarkt aus. Während Betreiber von Gaskraftwerken ihren Strom gerade mal kostendeckend verkaufen können, profitieren Betreiber von Anlagen mit günstigen Grenzkosten. Denn die Differenz zwischen den teuren Grenzkosten der Gaskraftwerke und den eigenen Grenzkosten ist ihr jeweiliger Gewinn. Da das Merit-Order-Prinzip in vielen europäischen Ländern gilt, sucht und diskutiert die EU bereits über mögliche Lösungsansätze, wie zum Beispiel: das Entkoppeln der Gaskraftwerke vom Merit-Order-Prinzip, Preisdeckel für die günstigsten Stromerzeugungsanlagen oder Gewinnabschöpfung bei den Anlagen mit hohen Gewinnen. Eine Entscheidung gibt es aktuell leider noch nicht.

Dass sich dieser extreme Preisanstieg beim Stromeinkauf nicht in vollem Umfang auf unsere Endpreise auswirkt, verdanken wir ebenfalls unserer langfristigen Beschaffungsstrategie: Denn damit sich starke Preisschwankungen nicht unmittelbar auf unsere Kunden auswirken, erfolgt der Stromeinkauf lange vor dem eigentlichen Lieferzeitraum am Terminmarkt. Dies geschieht in der Regel für ein Kalenderjahr in vielen kleinen Teilmengen. Für jede Teilmenge wird schon bei der Beschaffung der Preis fixiert. Aus allen Teilmengen zusammen ergibt sich für den Strombedarf eines Jahres ein Mischpreis, bei dem sich extreme Preisausschläge nach oben oder unten glätten.

Lediglich kleine Differenz-Strommengen, die sich beispielsweise durch Verbrauchsschwankungen ergeben, kaufen wir unmittelbar vor der Stromlieferung an den Endkunden auf dem Spotmarkt hinzu. Die Preise am Spotmarkt sind tagesabhängig und schwanken noch stärker als am Terminmarkt. Da die Differenz-Strommengen nur sehr gering sind, ist das Preisrisiko für uns als Lieferanten jedoch relativ gering.