Eine Rohrbrücke über den Fluss

Die OVAG legt ihre Fernwasserleitung bei Bad Vilbel vorübergehend um aufgrund von Bauarbeiten an der Bahnstrecke.

Jahrzehnte lang verlief die erste Fernwasserleitung der OVAG bei Bad Vilbel völlig im Verborgenen im Erdreich neben dem Bahndamm der S-Bahngleise und an der Niddabrücke unterhalb der Nidda. Nun war sie im Weg, muss doch die Bahnstrecke aufgrund des viergleisigen Ausbaus verbreitert werden – und damit auch die Brücke neu gebaut. Die Bahn teilte der OVAG im letzten Frühjahr mit: Die Leitung muss bis Oktober aus dem Weg sein. Ein Projekt, dass zwar so nicht im Jahresplan des OVAG-Wasserbereiches vorgesehen war, aber schnell und vor allem zuverlässig umgesetzt werden musste, denn die Wasserlieferung durfte zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. Seit August wurde also eine Interimsleitung mit neuer Streckenführung verlegt.

Da die Bahnbrücke über die Nidda nahe der Bad Vilbeler Innenstadt nächstes Jahr aus statischen Gründen komplett abgerissen wird, können auch die Fernwasserleitungsrohre, die unmittelbar neben der Brücke verlaufen, nicht bestehen bleiben, denn sie wären für die neuen Brückenfundamente im Weg. OVAG-Projektleiter Florian Odermatt erklärt, welchen Plan die OVAG daraufhin entworfen hat: „Zunächst haben wir eine Strecke für die Interimsleitung gesucht, die weiträumig um die Baustelle herum führt – zur Hälfte etwa oberirdisch, weil im Boden bereits Leitungen anderer Versorger verlaufen. Hier führt sie nun entlang, so lange die Bahn die Brücke neu baut. Erst danach bauen wir einen komplett neuen Leitungsabschnitt, der dann wieder unterirdisch verlegt wird und ein paar Meter neben dem neuen Bahndamm und der neuen Brücke verläuft.“

Die Interimsleitung wird nun in Betrieb genommen und soll etwa drei bis vier Jahre am Netz bleiben. Sie hat einen Durchmesser von einem halben Meter, das ist etwas weniger, als die alte Leitung hatte, was aber lediglich bedeutet, dass sich dadurch die Fließgeschwindigkeit in diesem Leitungsabschnitt leicht erhöht. Mit rund 10 bar natürlichem Druck fließt das Wasser hier Richtung Süden. Außerdem sind die Rohre zum Schutz vor äußeren Einflüssen und Vandalismus aus Stahl und teilweise eingezäunt. Sie verlaufen an manchen Stellen in einer Höhe von bis zu fünf Metern – schließlich müssen die Baustellenfahrzeuge im Zuge der Brückenerneuerung darunter hindurch passen. Über die Nidda wird die Leitung über eine Stahlkonstruktion geführt, die 36 Meter lang ist und mit den Stahlrohren zusammen 20 Tonnen wiegt. „Diese Stahlkonstruktion mussten wir einschwenken und auf Betonfundamenten an den Ufern ablegen, was gar nicht so einfach war, weil wir zur Auflage hatten, keinen größeren Baum dafür zu fällen. Es war also Maßarbeit“, berichtet Odermatt. Das letzte Stück von der Nidda bis zum Anschluss an die alte Leitung verläuft die Interimsleitung dann unterirdisch. Die gesamte Trasse der Interimsleitung ist eng abgestimmt mit den Stadtwerken Bad Vilbel.

Ausgeführt wurden alle Rohr- und Stahlbauarbeiten von der Firma Markgraf aus Bayreuth, mit der die OVAG bereits bei früheren, ähnlichen Projekten zusammengearbeitet hat. „Wir selbst haben die Planung übernommen, und natürlich die Außerbetriebnahme der alten und Inbetriebnahme der neuen Leitung“, erklärt Odermatt. Im Frühjahr 2022 nimmt die OVAG dann die genaue Planung der neuen Leitung in Angriff. Diese wird genau wie die alte Leitung 800 Millimeter Durchmesser haben und komplett unterirdisch verlegt – unter der Nidda sogar in einer Tiefe von acht Metern. Die Bauarbeiten beginnen erst 2023. „Ist erst einmal alles fertig, wird die Interimsleitung abgebaut und alles wieder so hergerichtet wie es vorher war“, blickt der Projektleiter voraus. Niemand wird dann sehen können, dass die neue Leitung in sicherem Abstand zur neuen Bahnstrecke verläuft und damit die Trinkwasserversorgung auf lange Zeit gesichert ist.

Wasserleitung Brücke
Die Rohrleitung wird über der Nidda auf die Betonfundamente gehoben, wo sie die nächsten Jahre verläuft.

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