Optimale Wellen

Stärkung der Versorgungssicherheit: OVAG an der 450connect GmbH beteiligt – Zuschlag bis 2041 gesichert.

Was ein Stromausfall für Folgen hervorrufen kann, schilderte vor wenigen Jahren der Schriftsteller Marc Elsberg nachdrücklich in seinem Thriller „Blackout“. Nach wenigen Stunden bräche auch das gesamte Kommunikationsnetz zusammen. Dann wäre es wirklich zappenduster. „Alle beteiligten Kollegen müssen beim Wiederhochfahren des Stromnetzes miteinander kommunizieren. Ohne Kommunikation wären sie regelrecht blind“, sagt Tony Michelis von der ovag Netz GmbH.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma bietet das 450 MHz-Frequenzband. Dieses ermöglicht das Aufrechterhalten der Kommunikation - geplant sind mindestens 72 Stunden - auch im „Schwarzfall“. „Es ist ein eigenständiges Netz an dessen Sendestandorten Notstromversorgungen eingebaut sind“, so Michelis.

Stefano Jardella von der OVAG ist mit dem Thema bestens vertraut. Die Beschäftigung mit dieser Materie war Voraussetzung dafür, dass die OVAG Teil eines Konsortiums geworden ist – der 450connect GmbH – das kürzlich von der Bundesnetzagentur (BNetzA) den Zuschlag für die 450-MHz-Frequenzen in Deutschland erhalten hat. Für immerhin zwei Jahrzehnte.

„Im Wesentlichen“, sagt Jardella, „ist die OVAG einer der Väter des Zusammenschlusses.“ 2018 nämlich hatte die ovag Netz das Thema erstmals auf die Tagesordnung der OVAG-Gruppe gebracht und Geschäftsführung und Vorstand von den Vorzügen der 450 MHz Technik für unsere Unternehmensgruppe überzeugt. Zuerst brachte sich die OVAG mit 11,8 Prozent Anteilen in die Interessengemeinschaft Versorger Allianz 450, der VA450, ein. Ziel war zunächst, ein Unternehmen aufzubauen, dass die Frequenzen selbst erwirbt und daraus krisenfeste Kommunikationsdienste generiert. Neben anderen Partnern sind hier die zur EnBW zählenden Netze BW, die Netze Bonn sowie die Deutsche Bahn Energie vertreten. Jardella: „Seit Ende 2019 ist es aber gelungen, die energiewirtschaftlichen Interessenten an diesem Frequenzband in Deutschland insgesamt unter einem Dach zu vereinigen, statt in Konkurrenz zueinander zu treten.“ So hat man sich zusammen getan unter der 450connect, an der neben Alliander jetzt auch die VA450 (also mit der OVAG), die E.ON und die Ankerkunden Verwaltungs GmbH beteiligt sind.

Allein für den Bereich der ovag Netz GmbH, schildert Tony Michelis weitere Vorzüge von 450 MHz, sei es möglich künftig rund 30.000 Smart-Meter in den Haushalten fernauszulesen. „Hinzu kommt der steigende Bedarf an sicherer digitaler Kommunikation, beispielsweise zur Steuerung der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität, von Elektrospeichern, der sicheren Netzführung unter den Bedingungen der dezentralen Energiewende aber auch wegen des Themas Smart-City.“ Das Problem: Vorhandene Kupfer- und Glasfaserkabel können diese enormen Kommunikationsaufgaben kaum bewältigen und neue kabelgebundene Kommunikationswege wären kaum zu bezahlen.

„Bei 450 MHz stellt sich dieses Problem so nicht. Es sind im Vergleich zu kommerziellen Mobilfunknetzen wie 4G verhältnismäßig wenige Masten für eine flächendeckende Versorgung nötig“, sagt Michelis. Für ganz Deutschland geht man von einer kleinen vierstelligen Zahl von Masten aus, für das Versorgungsgebiet der OVAG von gerade mal fünfzehn bis zwanzig. Außerdem sind diese Wellen in der Lage, in Keller und Tiefgeschosse zu dringen (wo häufig die Stromzähler angebracht sind), was den modernen kommerziellen Mobilfunknetzen nur eingeschränkter gelingt.

In den nächsten Jahren soll das Funknetz deutschlandweit ausgebaut werden, um das Land schwarzfallfester zu machen. „Das bedarf einiger Vorarbeit“, führt Stefano Jardella weiter aus. „Grundstücksfragen sind zu klären, der Bau der Masten ist auszuschreiben, schließlich muss die Technik installiert werden.“ Die OVAG wird ihm Rahmen dieses Projekts in verschiedenen Funktionen auf den Plan treten. Als Gesellschafter des Frequenzinhabers und Netzbetreibers 450connect, als Eigentümer von Sendemasten in ihrem Versorgungsgebiet, und als Nutzer der darauf produzierten Kommunikationsdienste. „Unsere Teilhabe an dieser Gesellschaft ist ein wertvoller Beitrag, um das hohe Niveau der Versorgungssicherheit zu halten, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern und auch um den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität voranzutreiben.“

Stefano Jardella (l.) und Tony Michelis.

Zurück