Alles dicht? Mit Röntgenblick ganz sicher.
Die OVAG hat einen Teil ihrer ersten Fernwasserleitung in Ober Widdersheim erneuert.
Wer in den letzten Wochen mit dem Zug im Niddaer Stadtteil Ober-Widdersheim angekommen ist, hatte einen guten Blick auf die Baustelle der OVAG. Hier, direkt am Bahnhof, konnte man auf rund einem halben Kilometer Länge den tiefen Graben und die imposanten Rohrstücke der neu verlegten Fernwasserleitung begutachten. Dieser Abschnitt ersetzt später einen Teil der bestehenden 1. Fernwasserleitung, die von Inheiden bis in den südlichen Wetteraukreis führt. Bisher verlief sie direkt neben den Bahngleisen, doch nun wurde sie neu trassiert – aus gutem Grund. Diesen verrät Florian Odermatt, Projektleiter bei der OVAG-Wasser und für die Planung der Leitungen zuständig. Die Bahn wird ab Juli neue Bahnsteige errichten und würde damit unsere Bestandsleitung überbauen. Das hätte zum einen eine größere Belastung zur Folge, zum anderen kämen wir bei Bedarf nicht mehr an unsere Leitung heran.
Dazu kommt: Der bestehende Leitungsabschnitt stammt von 1912 und ist aus Stahl. Nach so langer Zeit können vereinzelt Korrosionsschäden auftreten, die zu Wasserverlusten führen können. Eine gute Gelegenheit also, diesen Abschnitt zu erneuern und damit präventiv zu handeln.
Die neuen Rohrstücke bestehen ebenfalls aus Stahl, haben aber innen zusätzlich eine Zementmörtelauskleidung und außen eine Kunststoffumhüllung. Hinzu kommt, dass dieses neue Teilstück der Fernwasserleitung mit einem sogenannten kathodischen Korrosionsschutz-System (KKS) ausgestattet wird. Dies ist eine Schutzmethode für Metalle, bei der durch einen gezielten schwachen Schutzstrom verhindert wird, dass das metallische Rohrmaterial im Boden korrodiert und zersetzt wird.
Neben der Rohrverlegung werden im Zuge der Baumaßnahme auch zwei neue unterirdische Schachtbauwerke errichtet, dort sind wichtige Bauteile wie Absperrschieber, Be- und Entlüftungsventile sowie ein zusätzlicher Wassermesser untergebracht. Der Wassermesser dient zur Erfassung weiterer Betriebsdaten. Umso mehr solche Zählstellen wir im Netz haben, umso mehr Daten können wir für die einzelnen Betriebszustände der Fernwasserleitung erfassen. Das wiederum hilft bei der Umsetzung einer bedarfsgerechten und energiesparenden Fahrweise der gesamten Anlagen
, erklärt Projektleiter Odermatt.
Den Bauarbeiten in diesem Frühjahr ging eine aufwendige Planung und Genehmigungsphase voraus. Kurz vor dem Bahnhof wurde dann mittels eines Baggers mit speziellem Baggerlöffel ein geböschter, rund drei Meter breiter keilförmiger Graben ausgehoben, der in einem Bogen um den Bahnhof herum verläuft und nach 540 Metern wieder auf die Bestandsleitung trifft. In einem Sandbett werden hier die einzelnen, 12 Meter langen Teilstücke der neuen Rohre mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern verlegt. Um sie zu verlegen und miteinander zu verschweißen, ist das Spezialunternehmen Umwelttechnik und Wasserbau
beauftragt worden. Dieses Verschweißen direkt im Graben ist eine hochqualifizierte Arbeit, die nur von Experten ausgeführt werden darf, die das täglich praktizieren und eine spezielle Schweißerprüfung abgelegt haben
, weiß Daniel Moll, der bei diesem Projekt die Bauleitung vor Ort übernimmt und regelmäßig auf der Baustelle ist. Schließlich muss man sich für die Arbeiten teils unter die Rohre begeben, und das im engen Graben, in dem an den betreffenden Stellen spezielle Schweißgruben ausgebaggert sind.
Danach folgt noch ein spannender Arbeitsschritt: Bei jeder Naht wird mittels Röntgenstrahlen die Qualität der Schweißnähte geprüft, viele Nähte noch zusätzlich mittels Ultraschallwellen getestet. Diese beiden Verfahren dienen der Qualitätssicherung. Das machen wir bei allen unseren Leitungsverlegungen, um ganz sicher zu sein, dass einwandfreie Rohrverbindungen hergestellt wurden
, erklärt Moll.
Alle Hände voll zu tun gab es letzte Woche für die OVAG-Mitarbeiter des Sachgebiets Instandhaltung - Leitungen und Netze, die für den sicheren Betrieb der Fernwasserleitungen zuständig sind. Am Mittwoch wurde die Leitung umgebunden
, das heißt, der alte Leitungsabschnitt ging außer Betrieb und das Trinkwasser wurde ins neue Rohr umgeleitet. Es ging schnell und problemlos, am Ende waren wir dem Zeitplan sogar um zwei Stunden voraus
, berichtet Daniel Moll. In dieser Zeit wurde der Wasserbedarf durch die zweite vorhandene Fernwasserleitung Richtung Süden kompensiert, die mit einer Schlauchverbindung angeschlossen wurde. Die Vollversorgung im Versorgungsgebiet der OVAG wurde damit reibungslos aufrecht erhalten.
Wenn alles fertig ist, sind unter dem Strich etwa 1,5 Millionen Euro an Kosten für die OVAG entstanden. Geld, das gut investiert ist in eine erhöhte Versorgungssicherheit der Bevölkerung und den verantwortungsvollen, umweltschonenden Umgang mit den wertvollen Wasserressourcen der Region.